25. November 2011

Private Altersvorsorge/ Riesterrente

Zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente gibt es wieder ein vernichtendes Zwischenfazit.

Nachdem man den Generationenvertrag aufgelöst hat, wurde die eigenverantwortliche private Altersvorsorge eingeführt. Früher als das Verhältnis von jungen und alten Menschen noch ausgeglichener war, haben die Jungen direkt als Sozialabgabe die Rente der alten Generationen bezahlt. Die Jungen haben dann darauf vertraut, dass sie später im Alter das Geld der Jungen bekommen würden. Bei einem stetigen Wirtschaftswachstum und einer vergleichsweise geringen Lebenserwartung konnten sie in Ruhe darauf vertrauen. Vor so ca. 30 Jahren kamen die Wissenschaftler und haben gewarnt, dass der Nachwuchs fehlt und die Zahl der Rentner steigt. Wie andere Probleme auch wurde dieser Reformbedarf eine Weile ignoriert. Als um den Jahrtausendwechsel die Neoliberalen an der Macht waren, nahmen sie sich auch diesem Thema an. Der Generationenvertrag wurde gekündigt. Die junge Generation bezahlt zwar noch weiter ein (wenn sie es schafft einen regulär bezahlten Job zu finden), aber im Alter droht ihr die Armut. Man könnte es als unsozial bezeichnen, wenn trotz des steigenden Wohlstands die Alten in Armut leben müssen. Die Neoliberalen nennen das ‘Eigenverantwortung stärken’. Soll doch jeder selbst sehen wie er klarkommt. Die Bürger sollten nun selbst ihre Zeit verschwenden und sich mit Vertragstexten für private Altersvorsorge beschäftigen. Eigentlich gibt es ja im Kapitalismus nicht umsonst Spezialisierungen, aber dank der Neoliberalen musste nun jeder als Zweitberuf Jurist und Finanzwissenschaftler werden, um eine nennenswerte Chance zu haben die komplizierten Vertragstexte zu verstehen. Die Finanzdienstleister nutzen das natürlich aus. Die Verträge sind für zukünftigen Rentner “kompliziert und wenig ertragreich”. Provisionen, verworrene Verträge und versteckte Gebühren machen diese Geschäfte für die Finanzproduktverkäufer dagegen sehr lohnenswert. Manche Wissenschaftler können sich auch nur so erklären warum es überhaupt zu der Reform gekommen ist.

Wie könnte eine soziale Alternative aussehen? Zuerst sollte niemand im Alter um Almosen beim Amt oder auf der Straße betteln müssen. Das Grundeinkommen müsste also eingeführt werden. Im Gegensatz zu der jetzigen Mindestrente wird die eigene Vorsorge nicht vom Betrag des Grundeinkommens abgezogen. Wer also nicht 45 Jahre 40 Stunden die Woche für 10€ pro Stunde versicherungspflichtig gearbeitet hat, kann trotzdem für das Alter vorsorgen, ohne das die Sozialbürokratie einem die Ersparnisse nimmt. Wer Geld sparen will, kann das bei einer öffentlich rechtlichen Bank tun. Dort wird das Geld nicht für den Gang ins Finanzkasino benutzt. Stattdessen wird solide in Kredite für nachhaltig planende (Klein-)Unternehmen und in Wohnungen für Geringverdiener und die Mittelschicht investiert. Alle Handlungen stehen immer unter der Prämisse der langfristig sicheren Geldanlage. Schnelle kurzfristige Gewinne mit risikoreichen Wetten sind nicht zugelassen.

Mit dem Konzept könnte man a) die Heuschrecken vom Wohnungsmarkt fernhalten b) die Kredite für die Realwirtschaft sicherstellen c) eine Altersvorsorge schaffen, die nicht von den Neoliberalen in Politik und Privatbanken verzockt wird d) Kapital aus den Finanzmärkten abziehen. Das Geld, welches da Staaten erzittern und Nahrungsmittelpreise steigen lässt, kommt auch von den Geldanlagen bei privaten Banken.

Natürlich ist dieses öffentlich-rechtliche Modell nur eine Option, es steht jedem frei sein Geld irgendwo anders anzulegen. Dort ist er aber nicht mehr systemrelevant.

Update 17.05.2012: Das ARD-Magazin Plusminus berichtet wie Kleinanleger massenhaft ihr Geld mit Aktien der Telekom verloren haben.

Die FAZ berichtet ebenfalls über die Ergebnisse von Stiftung Warentest, die Beratung vieler Banken ist miserabel. Es wird ausgenutzt, dass “die kleinen Leute” ihre Rechte nicht kennen.

Update 05.03.2012: Gregor Gysi »Die Riester-Rente ist ein Hohn«

Ein Kommentar zu “Private Altersvorsorge/ Riesterrente

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