3. Dezember 2011

Der Wert von Arbeit bzw. warum man das Grundeinkommen einführen sollte

Altes Denken überdenken

Unsere Vorfahren haben schwer gearbeitet, um den Fortschritt ständig weiter voranzutreiben. Nun haben wir seit einiger Zeit einen Zustand großen Wohlstands/ einer Überproduktion. Ganz logisch reguliert der Markt sich herunter. Die Marktwirtschaft richtet sich in ihrer Logik nach Angebot und Nachfrage. Und das ist auch gut so. Schlecht ist, dass die Gesellschaft nach Jahrtausenden des Mangels und des Hungers nur schwer umdenken kann. Statt jetzt, wo die Quantität erreicht ist mehr Qualität anzustreben(, der Wunsch nach Verbesserung hat den Menschen schon immer vorangebracht,) bekommt man Angst. Panisch kommt die Frage hoch: Aber wenn wir immer effektiver werden und weniger Arbeit für unseren Wohlstand brauchen was ist dann mit den Arbeitsplätzen?  Politiker werden losgeschickt, um Arbeit zu schaffen und zu sichern. Immer getreu nach dem Motto “sozial ist was Arbeit schafft”. Nach dieser Logik sind Zerstörung, Krieg, Verstümmelung und Naturkatastrophen sozial. Schafft ja alles Unmengen an Arbeit. Es ist aber sinnlose Arbeit. Genauso sinnlos ist es, wenn Produkte entworfen werden, welche extra schnell kaputt gehen, nur damit die Arbeiter auch weiter etwas zu tun haben.

Arbeit muss nicht geschaffen oder erhalten werden

In unserer Gesellschaft gibt es genug Arbeit ohne Zerstörung, ohne Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, ohne 1€Jobs, ohne Steuergeschenke an Großunternehmen und ohne Subventionen. Wer das nicht glauben will, kann ja mal zu einer Krankenschwester gehen und fragen, ob sie Arbeit für einen hat, sich anschauen, wie kaputt die Schulen und Straßen sind. Es braucht auch nicht viel, um fest zu stellen, dass es in Deutschland nicht genug Jugendtreffs gibt, dass im Winterdienst mehr Leute vom Vorteil wären, dass alte Leute wegen mangelnder Betreuung vereinsamen und krank werden. Man könnte mit mehr Sicherheitspersonal auch nachts die U-Bahnen sicherer machen. Parks können gepflegt werden. Für jede Spezialisierung und Neigung gibt es genug Arbeit. Es gibt dort aber keine Arbeitsplätze. Das Einkommen wäre dort wohl zu niedrig zum Leben.

Niemand kann von seinem Einkommen leben

zeugnis-nicht-essenAber wer kann in unserer komplexen Gesellschaft eigentlich noch von dem leben, was er als Lohnarbeit leistet? Wird ein Versicherungsvertreter satt, wenn er Vertragstexte isst?  Wird ein Feuerwehrmann dafür bezahlt Kartoffeln anzubauen? Selbst in traditionellen Dorfgemeinschaften hat man Arbeitsteilung und lebt nicht allein von der eigenen Arbeit. Auch wenn das die Neoliberalen gern anders verbreiten, wir sind Gemeinschaftswesen. Für unser Überleben sind wir auf andere angewiesen. Dank moderner Maschinen hält sich der tägliche Überlebenskampf inzwischen jedoch sehr in Grenzen.

Schon heute haben wir umfangreiche Umverteilungen

Darauf könnte erwidert werden: Nagut, wir sind auf andere angewiesen, aber trotzdem sollte jeder seinen Anteil auch erarbeiten. Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen… Damit das bei allen funktioniert wird ein Mindestlohn gefordert. “Kein Lohn unter 8,50€/h” Das wären so ca. 1400€ pro Monat/ ca. 17.000€ pro Jahr. Davon kann Miete, mal einen Urlaub, Kleidung und so weiter bezahlt werden. Ein bisschen was geht auch an Steuern und Sozialabgaben zum Staat. Aber reicht das? Straßen, Schulen, Verwaltung, Botschaften, Polizei, Feuerwehr, Subventionen, Krankenversicherung, Rentenversicherung und Unfallversicherung: Die Steuern reichen auch mit Mindestlohn nicht mal annähernd als Ausgleich für die staatlichen Leistungen. Selbst mit den Forderungen der Gewerkschaften könnte also nicht jeder seinen Beitrag für die Gesellschaft leisten, selbst wenn ignoriert ignoriert wird, dass ein paar schlaue Bauern mit Hightech-Maschinen uns versorgen und wir von ihrer Arbeit leben. Wenn die Gesellschaft Straßen, Polizei und so weiter quasi kostenlos zur Verfügung stellt, obwohl jemand nicht Steuern entsprechend bezahlt, warum sollte ich ihm nicht auch einen Betrag in Form von Geld geben? Wenn wir sowieso schon umverteilen, warum muss das durch eine umständliche Sozialbürokratie passieren?

Zwischenzusammenfassung: Dank des Fortschritts wird nur noch wenig Arbeitskraft benötigt. Wir leben in unserer komplexen Gesellschaft immer von unseren Mitmenschen, egal wie viele Stellen der Betrag auf dem Konto hat. Im blanken nachhaltigen Eigeninteresse der finanziell vermögenden Teile der Bevölkerung haben wir heute schon den sozialen Frieden durch Umverteilung. Arbeit und Einkommen sind schon längst entkoppelt.

Der Wert von Arbeit

Das Einkommen durch Arbeit bildet nicht den gesellschaftlichen Wert von Arbeit ab, sondern spiegelt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ab. Allerdings funktioniert das nur, wenn Leute nicht mit ‘Anreizen’ der Sozialbürokratie in Arbeit gedrängt werden. Wenn die Gegenseite weiß, dass der Arbeiter sowieso annehmen muss, weil er a) dazu verpflichtet ist und b) durch veraltete Arbeitsmarktvorstellungen scheinbar zu viele Arbeiter vorhanden sind, dann werden die Vertragskonditionen nicht nach den Regeln des Marktes entschieden sondern immer zum Nachteil der Arbeiter ausfallen.

Spätestens wenn es einem selbst mal schlecht geht, dürfte(fast) jeder der These zustimmen, dass die Arbeit einer Krankenschwester nicht 20 Mal weniger wert ist als die Arbeit eines Anwalts der Musik-Abmahnindustrie, nur weil sie einen kleinen Bruchteil des Gehalts bekommt. Auch wenn 90% der Anwälte für zwei Monate streiken würden, sollte der gesellschaftliche Schaden nur ein winzig kleiner Bruchteil eines zweiwöchigen Streiks von 90% der Krankenschwestern sein. Zwei Tage wären wahrscheinlich schon verheerend. Das soll nicht heißen, dass jetzt ein paar Intellektuelle entscheiden sollten wer wie viel Lohn erhalten soll. Ganz im Gegenteil: Der Markt soll das regeln. Aber deswegen darf der Markt nicht von neoliberalen Gesetzen gestört werden. Ganz nebenbei bestraft der Markt auch Unternehmer mit schlechten Arbeitsbedingungen. Wer ein gutes Arbeitsklima bietet, bei dem wollen viele arbeiten, der spart bei den Lohnkosten.

Die Vorteile des Überdenkens

Wenn man bereit ist sich von veralteten Arbeitsmarktvorstellungen zu lösen, verschont man die Natur vor sinnloser Überproduktion und löst keine Finanzkrisen durch übermäßige Exporte und teurer Konjunkturpolitik aus. Stattdessen wird ein  Kultur- und Innovationsimpuls ausgelöst. Den Wettbewerb im Sozialdumping wird Deutschland in jeden Fall verlieren. Als freiheitliche Demokratie können wir uns stattdessen die Freiheit des Grundeinkommens zunutze machen und die Wirtschaft durch Innovation und Effizienz auf Dauer wettbewerbsfähig halten.

Ein Kommentar zu “Der Wert von Arbeit bzw. warum man das Grundeinkommen einführen sollte

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