17. Mai 2013

Gemeinschaftsschule und Gymnasium

schulsystem-modernUm die Struktur des Bildungssystems gibt es erbitterte Grabenkämpfe. Die einen wollen alles so lassen wie es ist, die anderen wollen ausschließlich die Gemeinschaftsschule. Für beide Positionen lassen sich berechtigte Kritikpunkte finden. Ein guter Kompromiss wäre vielleicht nach der Grundschule die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium anzubieten. In beiden Schulformen sollte die Erlangung des Abiturs möglich sein.

Mit einer solchen Struktur würde keinem Kind verantwortungslos früh die Chance auf das Abitur genommen. Genauso müssten Kinder, welche nur vielleicht ein Abitur schaffen, keine Versagensängste auf dem Gymnasium haben. Die Abschaffung der Gymnasien löst keine Probleme im Bildungsbereich. Unterfinanzierte Schulen mit überfüllten Klassen können derzeit Kinder nicht individuell fördern. Die Politik sollte daher erst wieder Vertrauen schaffen, indem sie auch wirklich in Bildung investiert.

Wenn dann die Gemeinschaftsschule irgendwann dank neuer Konzepte und guter Finanzierung wirklich jedes Kind optimal fördert, werden sich die Eltern von allein für die Gemeinschaftsschule entscheiden und müssen nicht durch eine Abschaffung des Gymnasiums dazu gezwungen werden. Bis dahin braucht es noch viel Geld und viel Durchsetzungskraft, um alte pädagogische Konzepte zu überwinden.

17. April 2013

Lernplan statt Lehrplan

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat als Reformvorschlag für das Bildungssystem den “Lehrplan plus” erarbeitet. Der sieht drei wichtige Veränderungen vor:

  1. Deutliche Reduzierung (Halbierung) der Lehrinhalte: So kann mehr Zeit für Vertiefung, Wiederholung, Vernetzung und Anwendung genutzt werden. Bisher werden sehr viele Inhalte nur kurz von den Schülern aufgenommen und anschließend größtenteils wieder vergessen. „Lerninhalte müssen sich auf exemplarische Inhalte begrenzen, die nachhaltiges Lernen und den Aufbau von Kompetenzen ermöglichen. Die Lehrkräfte brauchen Freiräume für nachhaltige Unterrichtsmethoden, im Mittelpunkt sollten Erkenntnisse verständnisintensiven Lernens stehen.“
  2. Fächer sollen besser vernetzt werden. „Entscheidend ist nicht die Fächervielfalt, sondern die Vielfalt an Themen“.  Es wird deswegen vorgeschlagen, den Unterricht weniger in Einzelfächern abzuhalten, sondern im Zusammenhang als Lernbereiche wie Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, musisch-künstlerisches Gestalten zu unterrichten, damit auch die Schüler die Zusammenhänge erkennen und verstehen.
  3. Altersgerechter Unterricht: Die Entwicklungspsychologie von Kindern muss mehr Beachtung finden. Außerdem sollte der Unterricht die Lebenswelt der Kinder besserer berücksichtigen.
27. Oktober 2012

Keine Steuergelder für marode Unternehmen

In der FAZ gibt es einen Artikel, wie die Politik versucht hat mit Millionenzahlungen die Insolvenz einer Werft aufzuschieben. Zunächst scheint es vorbildhaft, wenn sich Politiker für die Rettung von Arbeitsplätzen einsetzen. Praktisch gesehen lenken sie nur von den Problemen ihrer eigenen Politik ab. Unterstellen die Hartz-Reformen Arbeitslosen doch nur aus Faulheit oder Unfähigkeit keinen Job zu haben. Besonders der Niedergang von Traditionsunternehmen zeigt jedoch, dass auch die tüchtigsten Arbeitnehmer auf der Straße landen, wenn das Management kein zukunftssicheres Konzept hat. Insolvenzen sind im Kapitalismus völlig normal. Ohne die Gefahr der Insolvenz gibt es keine Konkurrenz. Ohne Konkurrenz besteht kein Anreiz zu Qualität, Effizienz und Entwicklung.

Wenn der zwischenzeitliche Verlust des Arbeitsplatzes im Kapitalismus normal ist, so darf man nicht mit Hartz4-Schikane Angst verbreiten.  Die antikapitalistischen Eingriffe der Politik in marode Unternehmen löst nicht das Problem mangelnder sozialer Sicherheit. Stattdessen müssen die funktionierenden Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit riskieren, indem sie Steuern zahlen, um gescheiterte Unternehmen künstlich am Leben zu halten. Warum sollten sich Prestige-Unternehmen noch anstrengen, wenn die anderen sie sowieso finanzieren müssen? Den Inhabern der bedrohten Arbeitsplätze ist ebenfalls nicht geholfen. Einen sicheren Arbeitsplatz bekommen sie nicht. Irgendwann kann der Staat die Verluste nicht mehr ausgleichen.

Ein Grundeinkommen ist eine gerechte und sichere Alternative. Zum einen können es alle bekommen, nicht nur der Mitarbeiter im Prestige-Unternehmen, sondern auch der aus einem Kleinbetrieb, wo es gerade eine Auftragsflaute herrscht. Niemand muss ausgesondert zu Hause bleiben, weil man dank Grundeinkommen auch bei sehr kleinen Löhnen mehr hat, als der der nicht arbeitet. Wenn die Existenz gesichert ist, kann ebenfalls eher der Einstieg in die Selbstständigkeit probiert werden.

(Marode Banken sollen natürlich auch insolvent gehen können.)

20. Oktober 2012

Minijobs und Ehegattensplitting abschaffen

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat massive Fehlanreize durch die steuerliche Ausgestaltung der Minijobs festgestellt. Anders als von den Neoliberalen behauptet wird, behindert dieser Bereich des Niedriglohnsektors den beruflichen Aufstieg. Besonders junge Mütter bleiben leicht in dieser “Geringfügigkeitsfalle” gefangen. Auf der einen Seite wird die Gleichstellung behindert und auf der anderen Seite der Fachkräftemangel verschärft.

Besonders Frauen in einer Beziehung mit einem gut verdienenden Mann sehen sich massiven steuerlichen Anreizen gegenüber doch lieber zu Hause zu bleiben. Die Studie deckt auf, dass allein 2 Millionen Minijobberinnen mit einem vollzeitbeschäftigten Ehepartner zusammenleben. Mit einer steuerlichen Neugestaltung lohnt sich auch für Mütter wieder eine Arbeitsstelle zu suchen.

Dreiviertel der Minijobber haben mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach den steuerlichen Anreizen ist es aus unternehmerischer Sicht das Beste viele 400-Jobber einzustellen. Diesen können niedrigere Löhne gezahlt werden, weil sie davon weniger Steuern bezahlen müssen. Viele Teilzeitkräfte sind dadurch viel billiger als wenige Festangestellte. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt deshalb die Minijobs abzuschaffen und so wieder viele Vollzeitstellen entstehen zu lassen.

Nach Informationen der Bundesagentur für Arbeit werden Minijobs ebenfalls dazu genutzt Überstunden nicht versteuern zu müssen und die 40-Stunde auszuhebeln.

Ziel sozialliberaler  Steuerpolitik sollte es sein, dass der Anreiz zur Vollzeitarbeit nicht durch künstliche Stufen in der Steuerlast behindert wird. Stattdessen sollten dynamisch ansteigende Steuersätze einen individuellen Aufstieg ermöglichen und Arbeitnehmer nicht bei 400€ oder 800€ “festhalten”. Dabei müssen flexible (Teilzeit-)Arbeitsverhältnisse keineswegs verboten werden. Die Politik kann dieses Problem dem Markt überlassen, wenn sie vorher die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer wieder hergestellt hat und diese ihre Forderungen an ein, aus ihrer Sicht, gutes Arbeitsverhältnis wieder selbst gut vertreten können.

Mit einer Reform des Niedriglohnsektors kann ebenfalls die Schere zwischen Arm und Reich wieder etwas geschlossen werden. Die nicht gerade linke Bertelsmann-Stiftung kritisiert die ungleiche Verteilung in der Studie ebenfalls.

9. April 2012

Benachteiligung des Handwerks beenden

Öffentlichkeitswirksam lassen sich Arbeitsplätze nur bei Großunternehmen “sichern”. Die Profilierung auf Kosten der Beschäftigten funktioniert in kleinen Betrieben fast überhaupt nicht. Obwohl kleine Unternehmen dem Standort Deutschland treu sind und mit ihrer Vielfalt den Wettbewerb bereichern, setzt die Politik lieber auf Großunternehmen. Die Doku “Billige Brötchen: Die Spur der Teiglinge”, zeigt die falschen Rahmenbedingungen für das Handwerk.