3. April 2014

Mindestlöhne: Symbolpolitik mit fragwürdigem Nutzen

Die Idee eines Mindestlohnes klingt natürlich erst einmal gut. Jeder kann von seiner Arbeit leben und der böse Kapitalismus bekommt einen Maulkorb. Aber ist so ein Vorhaben auch sozial? Nein. Mindestlöhne sind Symbolpolitik für Parteien, deren soziales Image angeschlagen ist.
1. Ein Mindestlohn bedeutet nicht, dass jeder von seiner Arbeit leben kann.
Ein Mindestlohn reicht zum Leben, wenn man keine Kinder hat und Vollzeit arbeitet. Sehr viele Menschen müssen durch den Spießrutenlauf der Arbeitsamtbürokratie, obwohl sie arbeiten gehen. Das hat häufig die Ursache, dass sie nur einen Minijob bekommen haben, der auch bei guter Entlohnung durch die begrenzte Arbeitszeit nicht zum Leben reicht. Familien sind besonders betroffen, weil so ein Lohn gleichzeitig auch die Existenz der Kinder absichern muss. Zeitlich unflexiblere Eltern haben es zusätzlich schwerer Vollzeitstellen zu finden.
2. Mindestlöhne vernichten Arbeitsplätze
Studien, welche scheinbar genau ermitteln wie viel Arbeitsplätze durch Mindestlöhne verloren gehen sind unseriös. Sie bauen nicht auf wissenschaftlichen Fakten, sondern auf Annahmen. Wissenschaftlich unbestritten ist jedoch, dass erhöhte Preise sich auf die Nachfrage auswirken. Durch die zunehmende Technisierung gibt es in sehr vielen Berufszweigen Möglichkeiten Arbeiter durch Maschinen zu ersetzen. Konsumenten können ebenfalls Dienstleistungen selbst erledigen, welche sie bei lukrativen Angeboten an Fachkräfte übertragen würden. Beispiele hierfür gibt es viele: Malerarbeiten, Reinigung, Reparaturen, Nachhilfe…
Der Mindestlohn wurde in Deutschland in einer Zeit der wirtschaftlichen Erholung beschlossen. Es kann deswegen der Fall eintreten, dass es trotz des Mindestlohnes zu mehr Arbeitsplätzen kommt. Ungeklärt wird jedoch bleiben, wie viel mehr Menschen ohne die Symbolpolitik einen Job gefunden hätten.
3. Mindestlöhne erschweren es Arbeitnehmern sich gegen schlechte Bedingungen zu wehren Weiterlesen

22. November 2013

Privatschulen für alle?

Privatschulen werden häufig als Einrichtungen betrachtet, an denen Besserverdiener ihrem Nachwuchs einen privilegierten Zugang zu Bildungsabschlüssen erkaufen können. Entsprechend kritisch werden Überlegungen betrachtet ,private Schulen stärker zu fördern.

Privatisierungen an sich müssen jedoch nichts Schlechtes sein, wenn auch wirklich ein Markt entsteht und das Gewinninteresse der Unternehmer zur Erfüllung der öffentlichen Aufgabe führt.

ausverkauf-bildungDamit Privatschulen im öffentlichen Interesse handeln, sind somit die Rahmenbedingungen wichtig. Denn nach den gängigen Konzepten gibt der Staat den Schülern (ihren Eltern) einen Bildungsgutschein. Das Geld, welches sonst die staatlichen Schulen pro Schüler erhalten, können sich nach diesen Reformvorschlägen auch Privatschulen verdienen, wenn sie mit ihrer Leistung überzeugen. Eine völlige Deregulierung würde somit den Marktanreiz setzen gute Noten einfach zu verkaufen. So hat der Unternehmer wenig Aufwand und der Schüler sichert sich zufrieden gute Zukunftsperspektiven. Der Staat könnte dieses Problem lösen, indem er sehr aufwendige Kontrollen der privaten Schulen verlangt, welche allerdings sämtliche Einsparungen von Privatisierungen wieder zunichtemachen würden.

Lehre privatisieren, Leistungsüberprüfungen staatlich durchführen

Es bietet sich daher an den Bildungssektor nicht vollständig zu privatisieren, sondern Privatwirtschaft und Staat jeweils ihre Stärken nutzen zu lassen. Weiterlesen

6. Juni 2013

Ein solidarisches Pflegesystem

In Deutschland wird die Pflege von Senioren durch Familienangehörige oft als beste Lösung betrachtet. Allerdings werden dabei wichtige Fakten ausgeblendet.

 in-der-Pflege-ist-zuerst-die-Familie-gefordertFamilienpflege ist schlecht für die Wirtschaft: Wenn Familienangehörige Senioren pflegen, verliert die Wirtschaft erfahrene Arbeitnehmer. Da durch den demografischen Wandel ohnehin weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen, ist das ein großes Problem. Hinzu kommt, dass der Verlust der Arbeitnehmer sich schlecht voraussehen lässt und auch nicht durch gute Arbeitsbedingungen verhindert werden kann.

Pflege durch die Familie ist keineswegs kostenlos: Die beschriebene Behinderung der Wirtschaft kostet den Staat wichtige Steuereinnahmen. Hinzu kommen die Risiken, dass den Arbeitnehmern der Wiedereinstieg in das Berufsleben nicht gelingt oder die Überlastung die Familienangehörigen krank macht. Beides kostet viel Geld. Kostenintensiv sind auch die Arbeitslosen, welche keine Möglichkeit bekommen im Pflegesektor einen Job zu finden, weil er von den Familienangehörigen blockiert wird.

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17. Mai 2013

Gemeinschaftsschule und Gymnasium

schulsystem-modernUm die Struktur des Bildungssystems gibt es erbitterte Grabenkämpfe. Die einen wollen alles so lassen wie es ist, die anderen wollen ausschließlich die Gemeinschaftsschule. Für beide Positionen lassen sich berechtigte Kritikpunkte finden. Ein guter Kompromiss wäre vielleicht nach der Grundschule die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium anzubieten. In beiden Schulformen sollte die Erlangung des Abiturs möglich sein.

Mit einer solchen Struktur würde keinem Kind verantwortungslos früh die Chance auf das Abitur genommen. Genauso müssten Kinder, welche nur vielleicht ein Abitur schaffen, keine Versagensängste auf dem Gymnasium haben. Die Abschaffung der Gymnasien löst keine Probleme im Bildungsbereich. Unterfinanzierte Schulen mit überfüllten Klassen können derzeit Kinder nicht individuell fördern. Die Politik sollte daher erst wieder Vertrauen schaffen, indem sie auch wirklich in Bildung investiert.

Wenn dann die Gemeinschaftsschule irgendwann dank neuer Konzepte und guter Finanzierung wirklich jedes Kind optimal fördert, werden sich die Eltern von allein für die Gemeinschaftsschule entscheiden und müssen nicht durch eine Abschaffung des Gymnasiums dazu gezwungen werden. Bis dahin braucht es noch viel Geld und viel Durchsetzungskraft, um alte pädagogische Konzepte zu überwinden.

17. April 2013

Lernplan statt Lehrplan

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat als Reformvorschlag für das Bildungssystem den “Lehrplan plus” erarbeitet. Der sieht drei wichtige Veränderungen vor:

  1. Deutliche Reduzierung (Halbierung) der Lehrinhalte: So kann mehr Zeit für Vertiefung, Wiederholung, Vernetzung und Anwendung genutzt werden. Bisher werden sehr viele Inhalte nur kurz von den Schülern aufgenommen und anschließend größtenteils wieder vergessen. „Lerninhalte müssen sich auf exemplarische Inhalte begrenzen, die nachhaltiges Lernen und den Aufbau von Kompetenzen ermöglichen. Die Lehrkräfte brauchen Freiräume für nachhaltige Unterrichtsmethoden, im Mittelpunkt sollten Erkenntnisse verständnisintensiven Lernens stehen.“
  2. Fächer sollen besser vernetzt werden. „Entscheidend ist nicht die Fächervielfalt, sondern die Vielfalt an Themen“.  Es wird deswegen vorgeschlagen, den Unterricht weniger in Einzelfächern abzuhalten, sondern im Zusammenhang als Lernbereiche wie Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, musisch-künstlerisches Gestalten zu unterrichten, damit auch die Schüler die Zusammenhänge erkennen und verstehen.
  3. Altersgerechter Unterricht: Die Entwicklungspsychologie von Kindern muss mehr Beachtung finden. Außerdem sollte der Unterricht die Lebenswelt der Kinder besserer berücksichtigen.