31. Mai 2012

Freier Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen

Die Harvard-Universität hat ihre Wissenschaftler gebeten, frei zugänglich zu publizieren. Diese nicht gerade links-revolutionäre Einrichtung schließt sich damit anderen Universitäten und Wissenschaftlern an. Trotz knapper Mittel müssen die Universitäten derzeit dafür zahlen, kostenfrei erstellte Texte ihrer Forscher zu bekommen, weil sie in teuren wissenschaftlichen Zeitschriften erscheinen. Das ist auch der Fall, wenn überhaupt keine Zeitung benötigt wird, sondern auch ein digitaler Zugriff ausreichen würde. Besonders ärgerlich ist es, weil häufig auch die redaktionellen Aufgaben von ehrenamtlich arbeitenden Wissenschaftlern übernommen werden.

Außerdem ist es sinnlos, wenn die Arbeit von öffentlich bezahlten Wissenschaftlern hinter Paywalls versteckt wird. Die Erkenntnisse verbreiten sich dadurch viel langsamer. Der Arbeitsprozess von Wissenschaftlern könnte effektiver werden. Die Plagiatssuche würde sich ebenfalls extrem vereinfachen. Suchalgorithmen mit Zugriff auf alle wissenschaftlichen Publikationen könnten Betrüger entlarven und so die Glaubwürdigkeit der richtigen Wissenschaftler steigern.

Das Thema bietet natürlich wieder eine reichhaltige Basis für ideologische Grabenkämpfe über das Urheberrecht. Deswegen sollte die Nutzung neuer Publikationskanäle komplett freiwillig erfolgen. Der Staat braucht nur die benötigte OpenSource-Software (weiter-)entwickeln zu lassen.

Update 25.09.2012: Auf Netzpolitik.org gibt es eine ausführliche Anleitung, wie man Schritt für Schritt eine Reform durchführen könnte.

Update 23.10.2012: Auf Netzpolitik.org wird die Problematik noch einmal komapkt erklärt.

22. Dezember 2011

Das Internet darf kein datenschutzrechtsfreier Raum sein!

Die Missachtung des Datenschutzes im Internet ist zunehmend zum Kavaliersdelikt geworden. Um daran etwas zu ändern, muss man da angreifen wo es wehtut: Beim Geld. Werbung sollte sowieso anständig besteuert werden, aber der Schwerpunkt sollte auf der Besteuerung von Werbung auf Website liegen, welche gegen Datenschutz verstoßen. Dafür wäre ein Punktekatalog gut. Für jeden Verstoß im Angebot steigt die Steuer. Firmen, welche in Europa verkaufen wollen, müssen sich auch bei ihrer Werbung für europäische Kunden an europäisches Recht halten. Weiterlesen

16. Dezember 2011

Innovativer Mittelstand sichert die Wettbewerbsfähigkeit

Alte Strukturen hinterfragen und neue Konzepte entwickeln, dass ist die Idee hinter einem Verbund von Mittelständlern, welche ein serienreifes Elektroauto erstellen.

“Das Denken der Konzerne sei zu eingefahren, um in einem Netzwerk gleichberechtigter Partner die besten Lösungen für ein preiswertes Elektroauto zu finden. Ziel sei es, das technisch Machbare und die Wirtschaftlichkeit zusammenzubringen.” (faz.net)

Dieses Projekt sichert auch in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Eingefahrene Strukturen und Vorstellungen bekommen nun Konkurrenz. Möglichst einfach und kostengünstig soll etwas Alltagstaugliches entwickelt werden. Das Projekt ist auf langfristigen Profit ausgelegt und schafft mit seinem Baukastenprinzip interessante Zukunftsperspektiven. Genau diese individualisierte, durchdachte Qualität ist die Stärke der deutschen Wirtschaft.

Das Projekt erinnert ein wenig an Open Hardware. Bei diesem Konzept werden von einer Gemeinschaft (in diesem Fall ist sie relativ abgeschottet, weil Grundlagenarbeit geleistet wird) Baupläne entworfen. Es lassen sich so haltbare und individuelle Produkte konstruieren. Diese könne auch leichter repariert werden. Der Ansatz ist nachhaltig und fördert den zuliefernden Mittelstand. Außerdem entsteht durch die neue Konkurrenz wieder ein Anreiz in der Massenproduktion haltbare und kreative Produkte herzustellen.

Bei solchen Innovationsprozessen sollte nie die Bedeutung der Sozialpolitik vergessen werden. Sie schafft die Flexibilität für Wandelungen in der Wirtschaft. Innovation und Konkurrenz führen leicht dazu, dass Menschen arbeitslos werden. Durch Effizienzsteigerung kann es leicht passieren, dass sich dafür an anderer Stelle keine neuen Arbeitsplätze bilden. Wenn Leute wegen neoliberaler Sozialpolitik panische Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes haben und die Politiker zum Arbeitsplatzsichern bei großen Autobauern losgeschickt werden, ist es vorbei mit einer nachhaltigen, zukunftssicheren Perspektive für den Mittelstand. Stattdessen gibt es wieder marktfremde neoliberale Planwirtschaft. Nicht wettbewerbsfähige Unternehmen werden auf Kosten der anderen am Leben gehalten. Sozialpolitik sorgt dafür, dass Innovateure als solche gewürdigt und nicht als Arbeitsplatzvernichter gehasst werden.

(Das habe ich schon mal ausführlicher beschrieben: “Der Wert von Arbeit bzw. warum man das Grundeinkommen einführen sollte”)

 

29. Juni 2011

E-Akte

Auf dem Law-Blog wird die Idee der E-Akte für die Justiz vorgestellt und beworben. Wenn man das so liest, scheint die Papier- und Zeitverschwendung bisher enorm zu sein. Digitalisierung ist natürlich auch für Ministerien sehr gut vorstellbar. Die ganzen verschwendeten Ressourcen fehlen bisher an anderer Stelle im Haushalt bzw. Justizsystem. Allerdings muss die technische Umsetzungbarkeit beachtet werden. Sicherheit und Anwendbarkeit müssen zusammengebracht werden. Weiterlesen

9. Mai 2011

Open Hardware

Es begann mit der freien Software. Weiter ging es mit der Wikipedia. und jetzt: Open Hardware? Auf netzpolitik.org findet sich ein Link auf die Sendung Breitband(dradio) vom 7.5.2011. Vorgestellt wird die Idee der Open Hardware.  MP3

Aus sozialliberaler Sicht ist Open Hardware natürlich sehr gut, weil:

  • Open Hardware schafft Konkurrenz zu anderen Produkten. Der Markt wird belebt. Es können sich sehr leicht neue Unternehmen gründen, die Open Hardware vertreiben und verbessern. Die Monopolbildung wird extrem erschwert.
  • Open Hardware dafür sorgt, dass sich Nachhaltigkeit wieder lohnt. Wegschmeißen ist nicht mehr billiger als reparieren. Passende Doku: “Kaufen für die Müllhalde”
  • Open Hardware sichert Vielfalt in der Landwirtschaft. Kleinbauern können ihre Effizienz extrem erhöhen und werden deshalb nicht von zweifelhaften Großunternehmen verdrängt. Das ist auch nachhaltig, weil Kleinbauern in Entwicklungsländern mit weniger Chemie auskommen. Passende Dokus: “Die dritte Welt im Ausverkauf”  ”Food Inc” “unser täglich Gift”
  • Open Hardware ist gut für das Bildungssystem. Technische Zusammenhänge können ohne Lizenzbeschränkungen ausprobiert und erlernt werden. (Besonders praktisch, für Länder, wo nicht alle die Bildungseinrichtungen bezahlen können.) Doku: “Arduino The Documentary”
  • Open Hardware verschafft Sicherheit. Es werden gemeinsam Fehler gefunden und nicht totgeschwiegen. Man ist nicht mehr so von undurchsichtigen globalen Strukturen abhängig. Außenpolitisch bringt es ebenfalls Stabilität, weil sich in Entwicklungsländern viel leichter Kleinunternehmer bilden können. (Geringe Jugendarbeitslosigkeit=> mehr Stabilität)

Open Hardware löst natürlich nicht die klassische Produktpalette ab, aber sie bereichert den Markt und die Konsumenten.

Update 05.07.2012: Das ARD-Magazin Plusminus hat ein Beitrag über Bastler gebracht, welche die Abhängigkeit von neuen Produkten damit vermindern, dass sie alte gemeinsam reparieren.

Der erste Open-Source Unterwasserroboter wurde entwickelt.