Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat massive Fehlanreize durch die steuerliche Ausgestaltung der Minijobs festgestellt. Anders als von den Neoliberalen behauptet wird, behindert dieser Bereich des Niedriglohnsektors den beruflichen Aufstieg. Besonders junge Mütter bleiben leicht in dieser “Geringfügigkeitsfalle” gefangen. Auf der einen Seite wird die Gleichstellung behindert und auf der anderen Seite der Fachkräftemangel verschärft.
Besonders Frauen in einer Beziehung mit einem gut verdienenden Mann sehen sich massiven steuerlichen Anreizen gegenüber doch lieber zu Hause zu bleiben. Die Studie deckt auf, dass allein 2 Millionen Minijobberinnen mit einem vollzeitbeschäftigten Ehepartner zusammenleben. Mit einer steuerlichen Neugestaltung lohnt sich auch für Mütter wieder eine Arbeitsstelle zu suchen.
Dreiviertel der Minijobber haben mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach den steuerlichen Anreizen ist es aus unternehmerischer Sicht das Beste viele 400-Jobber einzustellen. Diesen können niedrigere Löhne gezahlt werden, weil sie davon weniger Steuern bezahlen müssen. Viele Teilzeitkräfte sind dadurch viel billiger als wenige Festangestellte. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt deshalb die Minijobs abzuschaffen und so wieder viele Vollzeitstellen entstehen zu lassen.
Ziel sozialliberaler Steuerpolitik sollte es sein, dass der Anreiz zur Vollzeitarbeit nicht durch künstliche Stufen in der Steuerlast behindert wird. Stattdessen sollten dynamisch ansteigende Steuersätze einen individuellen Aufstieg ermöglichen und Arbeitnehmer nicht bei 400€ oder 800€ “festhalten”. Dabei müssen flexible (Teilzeit-)Arbeitsverhältnisse keineswegs verboten werden. Die Politik kann dieses Problem dem Markt überlassen, wenn sie vorher die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer wieder hergestellt hat und diese ihre Forderungen an ein, aus ihrer Sicht, gutes Arbeitsverhältnis wieder selbst gut vertreten können.
Mit einer Reform des Niedriglohnsektors kann ebenfalls die Schere zwischen Arm und Reich wieder etwas geschlossen werden. Die nicht gerade linke Bertelsmann-Stiftung kritisiert die ungleiche Verteilung in der Studie ebenfalls.